Ein Männlein steht im Walde …

6. August 2014

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein.

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?

Ein Männlein steht im Walde

Hier singt Edita Gruberova das Lied in der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck.

Dieses längst zum Volkslied gewordene Gedicht von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1843 gibt ein Rätsel auf; die Hinweise deuten einerseits auf die Hagebutte. Andererseits lässt das Lied auch den Fliegenpilz als Lösung zu, wie der Musikwissenschaftler Hans-Josef Irmen darstellt:

„Tatsächlich wächst die Hagebutte nicht im Wald allein, sondern zumindest am Waldesrand, ‚am Rain‘, und ihre Früchte stehen zahlreich beisammen. Hoffmann weist dem Ratenden in der ersten Strophe einen falschen Weg, jedermann denkt zuerst an den Fliegenpilz. Erst wenn als weiteres Indiz der zweiten Strophe das ‚schwarze Käppelein‘ bekannt wird, ist klar, dass es sich um die Hagebutte handelt. Der Widerspruch zwischen beiden Strophen lässt darauf schließen, dass der Dichter inkompatible Vorlagen zu vereinigen suchte.“ (Quelle)

Andererseits, anstatt dem Dichter einen Fehler zu unterstellen, weisen Pilzkundige auf den Satanspilz hin. In früher Form hat dieser eine schwarze Kappe und oft ein purpurrotes „Mäntelein“. Begrifflichkeit und besungene Form lassen damit auch auf einen Pilz schließen.

Aber eigentlich will ich heute weder über Hagebutten, noch über Fliegenpilze und schon gar nicht über Satanspilze schreiben, sondern über ein wohlschmeckendes „Männlein mit einem gelben Mäntelein“, das auch nicht gern allein, sondern viel lieber in Gruppen im Wald steht, am allerliebsten unter Fichten oder Buchen …

Pfifferling

Richtig geraten – heute geht um das Eierschwammerl, auf „hochdeutsch“ Pfifferling oder Rehling genannt. Der Name stammt aus dem aus dem mhd. pfefferlinc, ahd. pfifra, der erste Wortteil gehört zu Pfeffer, der Pilz bekam seinen Namen also aufgrund des scharfen Geschmacks;

Übrigens:

Mit: „Das ist (mir) keinen Pfifferling wert!“ drückt man umgangssprachlich eine geringe Wertschätzung gegenüber einer Sache oder einer Person aus. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Redewendung und dem Pilz gibt, ist umstritten. Die Vermutung, dass die Redewendung auf das (über-)reichliche Angebot dieses Pilzes in früheren Zeiten zurückzuführen ist, liegt zwar auf der Hand; wahrscheinlicher ist aber die Herkunft aus dem südwestdeutschen Dialekt, wo ein Fünf-Pfennig-Stück Pfifferle heißt. „So ein falscher Pfifferling!“ dürfte aus der Verwechselbarkeit mit ebendiesem entstanden sein und meint in der Regel eine Person zwielichtigen Charakters. (Quelle)

Die Eierschwammerln enthalten viel Vitamin D, Kalium und Eisen, das alles bei wenig Kalorien und einem geringen Fettanteil. Ihr frischer Duft erinnert an Aprikosen, die dottergelbe Farbe hat ihnen den Beinamen „Gold des Waldes“ eingebracht, das knackig-feste Fleisch schmeckt mild bis pfeffrig. Im Gegensatz zu Champignons ist die kommerzielle Zucht von Pfifferlingen nie gelungen, sie müssen daher im Wald gesucht und geerntet (oder auf dem Markt oder im Geschäft um gutes Geld gekauft) werden.

Die bei uns wohl bekannteste und beliebteste Pfifferlings-Speise ist das „Schwammerlgulasch“.
Es gibt aber zahlreiche andere Möglichkeiten, das Eierschwammerl  zur kulinarischen Köstlichkeit zu machen, zum Beispiel in einer Ofenkartoffel – ganz einfach zuzubereiten:

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 große mehlig kochende Kartoffeln
  • 400 g Pfifferlinge
  • 4 Frühlingszwiebeln
  • 2 EL Öl
  • 250 g Ricotta
  • 100 g Crème Fraiche oder Sauerrahm
  • 1 Bund Schnittlauch
  • 1/2 Bund Kerbel oder Petersilie
  • 1/2 Bund Radieschen
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Milch oder Rahm

Zubereitung:

  1. Kartoffeln unter fließendem Wasser schrubben und dann in Alufolie wickeln. Backofen auf 200°C vorheizen und die Kartoffeln für 1 Std. backen.
  2. Pfifferlinge mit einem Pinsel säubern, kleine Pilze ganz lassen, große halbieren oder vierteln. Frühlingszwiebeln putzen und das Weiße und Hellgrüne in feine Ring schneiden. Ricotta mit dem Schmand in einer Schüssel mischen und mit Milch oder Sahne glatt rühren.
  3. Schnittlauch in feine Röllchen schneiden, Kerbel oder Petersilie hacken. Kräuter unter die Ricottamischung heben. Radieschen putzen, waschen und in kleine Würfel schneiden. Ebenfalls in den Ricotta mischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  4. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Pilze anbraten. Frühlingszwiebelringe dazugeben und mit Salz und Pfeffer würzen.
  5. Kartoffel aus dem Ofen nehmen auswickeln und mit einem Messer der Länge nach aufschneiden. Mit Ricotta und Pilzen füllen und servieren.

Guten Appetit!

P.S.: In diesen zwei Witzchen geht es nicht um Pfifferlinge:

Eine Kleinanzeige in der Zeitung: „Mann, dreifacher Witwer, sucht hübsche, wohlhabende Lebenspartnerin. Meine Hobbies: Pilze sammeln, Krimis schauen und Kochen.“
Der Vater antwortet auf die Frage, ob seine Familie sehr religiös sei:
„Früher haben wir vor jeder Mahlzeit gebetet, heute nur noch, wenn es Pilze gibt.“
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