Wofür Neugier gut/schlecht sein kann …

8. März 2014

Als meine größte Stärke betrachte ich meine Neugier. Allerdings ist sie auch meine größte Schwäche. Wie das geht? Zunächst einmal muss ich erklären, was ich unter „Neugier“ verstehe bzw. besser, was ich nicht meine.

In der Wikipedia findet sich folgende Definition: … das als ein Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere Verborgenes kennenzulernen. Dabei unterscheidet das schlaue Online-Lexikon zwei Spielarten der Neugier(de): Neugier kann ausgerichtet sein auf permanent wechselnde Ereignisse, um dadurch eine Lust an Sensationen befriedigen zu können. Bei dieser Begriffsvariante sind emotionale und motivierende Anteile hoch. Ist die Neugier auf ein Interesse an Wissen ausgerichtet, stehen forschungs- oder verstandesmäßige Anteile im Vordergrund. Diese Form der Neugier wird auch Wissbegierde genannt (historisch Philomathie von gr. philomathía).

Die erste Variante ist bei mir mäßig stark ausgeprägt. Mir ist es nicht so wichtig, zu wissen, welche Promis gerade mit wem liiert oder im Clinch sind, ob das Auto meines Nachbarn 5000 Euro gekostet hat oder 50.000 oder ob die Haarfarbe meiner Fußpflegerin echt ist oder künstlich.

Die zweite Form – Wissbegierde in den verschiedensten Ausformungen – freilich beschreibt mich  perfekt. Das hat mir auch schon den Ruf eingetragen, ein „wandelndes Lexikon“ zu sein, etwas netter ausgedrückt, ein „Tausendsa(s)sa“ oder ziemlich böse formuliert, eine „Königin des unnützen Wissens“. Nun gut – ich kann mit all diesen Bezeichnungen leben.

Im Grunde bin ich der Meinung, dass man nie genug wissen kann. Und dass man nie weiß, ob das, was man weiß, jemals von Nutzen sein wird oder nicht. Wenn ich mir überlege, dass ich ohnehin etwa 90  Prozent von dem, was ich mir so anlese, -höre, -sehe, ohnehin schon nach kurzer Zeit vergessen habe, ist die „Ausbeute“ meiner Wissbegierde ohnehin sehr bescheiden. Vor allem aber verbindet sich bei mir die Tendenz, etwas perfekt und umfassend zu wissen/können, mit der, auf möglichst vielen verschiedenen Gebieten informiert zu sein. Und das führt dazu, dass ich bei meinder Suche nach Wissen (aller Art) vom Hundertsten ins Tausendste komme und irgendwann erschöpft aufgebe. Diese häufig gemache Erfahrung hält mich freilich nicht davon ab, mich immer wieder für etwas Neues zu interessieren.

Einen kleinen Einblick, was zur Zeit und von Zeit zu Zeit mein Interesse erregt, bekommst du in diesem Blog. Da gibt es ein paar Konstanten (Bücher, Sprache/n,  Geschichte, Computer-Skills), aber auch immer wieder wechselnde Themen. Wie zum Beispiel die des heutigen Blogeintrags!

Eule auf Buch

Türen sind „Erinnerungskiller“

Gestern ist es mir wieder einmal passiert: Ich wollte mir ein Buch aus dem Wohnzimmer holen. Zielstrebig ging ich durch die Küchentür ins Vorhaus, öffnete die Wohnzimmertür, betrat den Raum und … wusste nicht mehr, was ich da eigentlich wollte.

Nicht, dass mir etwas Vergleichbares vorher noch nie passiert wäre. Schon oft ist es mir so gegangen, wenn ich etwas aus einem anderen Raum holen oder dorthin bringen wollte. Wie oft musste ich lange nachdenken, um mich zu erinnern, was ich eigentlich wollte. Manchmal hat es mir geholfen, wenn ich wieder in den ersten Raum zurückgegangen bin, aber keineswegs immer. Ich habe mir das stets damit erklärt, ich wäre unkonzentriert gewesen, zu langsam oder es wäre mir nicht wichtig genug gewesen.

Jetzt weiß ich freilich wissenschaftlich bestätigt, dass es erstens nicht nur mir so geht und dass es zweitens eine „psychologische“ Erklärung für dieses offensichtlich weitverbreitete Phänomen gibt.

Eine US-amerikanische Studie fasst es so zusammen: “Walking through doorways causes forgetting.

Testpersonen unterschiedlichen Geschlechts und Alters mussten Dinge von einem Tisch zu einem ganz bestimmten anderen bringen. Befand sich dieser Tisch im selben Raum, gelang das in den allermeisten Fällen problemlos. Befand sich der Ablagetisch zwar auch nicht weiter entfernt, aber in einem anderen Raum, in den man durch eine Türe gehen musste, dann klappte es sehr häufig nicht.

Dieser „Türwegeffekt“ ist also völlig unabhängig davon, wie weit man gehen muss; ausschlaggebend ist, dass man durch eine Tür geht. Die Psychologen erklärten sich das zunächst damit, dass das Gedächtnis durch die Veränderung der Umgebung irritiert wurde, fanden aber heraus, dass auch eine Rückkehr in den ersten – vertrauten – Raum der Erinnerung nicht immer auf die Sprünge half. Also scheint es so zu sein, dass wir beim Gehen durch eine Tür quasi „Neuland“ betreten, was uns dazu verführt, Erinnerungen „ad acta zu legen“, wenn diese nicht wirklich existenziell wichtig sind.

Mich ärgert es zwar immer noch, wenn ich wieder einmal in einem Raum stehe und nicht mehr weiß, was ich da eigentlich will, aber zumindest denke ich nicht mehr gleich an Demenzerscheinungen – danke, ihr lieben Psychologen!

Quelle 1Quelle 2

Eule auf Buch

Weißt du, was ein „Zentangle“ ist?

Ich wusste es bis vor kurzem nicht, bis mir irgendwo dieser Begriff in die Augen sprang, ohne dass er erklärt wurde. Nun – heutzutage genügt ein kleine Google-Suche und du bekommst eine Flut an mehr oder weniger brauchbaren Informationen über dieses „Phänomen“. Da ich vermute, dass dir dieser Begriff wohl auch eher (noch) nicht bekannt sein dürfte, sehe ich es fast als meine Pflicht an, mein neu erworbenes Wissen an dich weiterzugeben.

Das zum Beispiel ist ein Zentangle – allerdings in seiner primitivsten Form:

Zentangle 1      Zentangle 2

So etwas in der Art hast du sicher auch schon einmal „produziert“, zum Beispiel bei einem längeren Telefonat oder in einem – eher langweiligen – Vortrag. Normalerweise heißt bei uns so etwas „Gekritzel“, „Wirrwarr“ und genau das bedeutet auch das englische Wort „tangle“. Das „Zen“ verweist auf die buddhistische Meditationstechnik.

Und so beschreibt ein Zentangle-Blog (ja, so etwas ist auch schon Gegenstand von speziellen Blogs!) diesen neuen Hype, der sich schön langsam von – no na net – den USA zu uns ausbreitet:

Du hast schon in der Schule gekritzelt, wenn es mal langweilig wurde? Kunstgekritzel ist eine Kunstform, in der sich einfache Muster wiederholen. Die Kritzelei geschieht bewusst, konzentriert – nicht einfach so nebenbei.
Dieses bewusste Kritzeln öffnet dir eine Welt der Kreativität, der Entspannung und Schönheit.
Es hilft dir einfach mal vom Alltag abzuschalten (Stichwort: „Yoga for your brain“), Gedanken loszulassen, die Zeit zu vergessen.
Es geht keinesfalls darum, perfekte Bilder zu kritzeln, sondern das Ergebnis und sein eigenes Ich einfach so zu nehmen wie es ist.

Auf Amazon.at/de findet man bereits zahlreiche Bücher mit Anleitungen zum „Zentanglen“  zum Beipiel dieses hier:

Zentangle 3

1 x täglich Zentangle: Die 6-Wochen-Kur für kreatives Zeichnen.

Natürlich musste ich das auch ausprobieren. Und  – dadaa! – hier ist mein erstes Zentangle (oder auch nicht):

Zentangle 4

Natürlich sind das Eulen. Auch noch ziemlich unbeholfen, wenn man sie mit wirklich kunstvollen Beispielen im Internet vergleicht:

Zentangle 5      Zentangle 6

Vielleicht willst es ja auch einmal ausprobieren?

Eule auf Buch

Brauchst du eine Therapie?

Es muss ja nicht gleich eine bei einer/m Psychotherapeuti/en um 100 Euro pro Stunde sein. Billiger und in vielen Fällen genau so hilfreich kann ein Romantherapie sein!

Das ist nicht nur der Titel eines Buches, das ich vor kurzem in die Hand bekommen habe, sondern auch der eines Blogs, der die Ideen dieses Buchs aufgreift und erweitert und verftieft.

Dieses Buch besteht aus dreierlei Inhalt, der im Buch gemischt wird:
1. Anhand verschiedener Lebenslagen und Leiden werden 253 klassische und moderne Romane vorgestellt.
Dies ist der Hauptteil des Buches. So findet man unter „Hass auf den Job“ die Buchempfehlung „die Leiden einer jungen Kassiererin“ von Anna Sam sowie „Im Bureau“ von Robert Walser. Das erste Buch wird empfohlen, damit der Leser erfährt, „was wirklich ein beschissener Job ist.“ Zur „Stabilisierung“ wird dann das Buch von Walser empfohlen, der Büromenschen vorführt, wie sie durch einen langweiligen Arbeitstag kommen. Und so findet man Lektüreanregungen zu „Kinder; unter Druck stehen, welche zu haben“ genauso wie zu „Impotenz“, „Identitätskrise“, „Liebe, unerwiderte“, „Einsamkeit“, „Prokrastination“, „Spielsucht“, „Single sein“, „Verheiratet sein“, „Sex, zu wenig“, „Sex, zu viel“, „Nörgeln, Hang zum“, „Mobbing“, „Midlife-Crisis“, „Feigheit“ usw.

2. Über 30 Leseleiden werden kurz thematisiert: Da findet man beispielsweise Tipps zu „Durchlesen, Neigung, nach der Hälfte aufzugeben“, „Buchkäufe, zwanghafte“, „Neue Bücher, von ihnen in Versuchung geführt werden“, „Überwältigt sein von der Menge der Bücher in der Wohnung“. Es folgen dann ernstgemeinte Ratschläge, die man durchaus anwenden kann. Auch hier fehlt mir jedoch das Augenzwinkern.

3. Etwa 40 Listen mit den zehn besten Büchern: So findet man die zehn besten Hörbücher (und es sind tatsächlich zehn in Deutschland erhältliche außergewöhnlich gute Hörbücher dabei). Die zehn besten Romane … zum Heulen, gegen Fernweh, für Teenager, zur Aufheiterung, für Flugreisen, für Dreißig- bis Vierzigjährige; für alle, die sehr traurig sind; bei Erkältung; um Bluthochdruck zu senken.

Eine witzige und meiner Meinung nach recht zutreffende Besprechung des Buchs findest du hier. Eine kurze Passage daraus:

Die Romantherapie will kein Medikament sein. Sie will daran erinnern, dass Leser in Büchern Zuflucht finden. Dass Romane Mut machen können oder aufmuntern. Gerade dann wenn man denkt, die Sorgen seien zu groß, um sich in Ruhe einem Buch zu widmen. Nicht umsonst fragt der im Kaninchenbau festsitzende Pu der Bär seinen Freund: „Würdest du dann bitte ein gehaltvolles Buch vorlesen, eins, das einem eingeklemmten Bären in starker Bedrängnis Hilfe und Trost spendet?“ Denn selbst in den Romanen, die mit mehr Personal und Inventar ausgestattet sind als eine Notaufnahme in der Silvesternacht, ist für eine Person immer noch Platz: den Leser. „Darin liegt die Schönheit aller Literatur“, schrieb F. Scott Fitzgerald, „Lesend wird man gewahr, dass die eigenen Bedürfnisse universelle Bedürfnisse sind und man weder einsam noch isoliert ist. Sondern dass man dazugehört.“

Übrigens: Ich habe mir bei Amazon gerade das Buch „Alles zerfällt“ von Chinua Achebe bestellt. Laut „Romatherapie“ gehört es zu den besten Romanen für Sechzig- bis Siebzigjährige. Mal schauen, wie es wirkt 😉

Eule auf Buch

Liebesbrief eines Juristen

Heute werden ja nur noch wenige Liebesbriefe geschrieben. Das Höchste ist einmal eine SMS mit der Botschaft hdl (hab dich lieb) oder eine „like“ auf Facebook. Da lobe ich mir doch diesen Brief eines – allerdings unglücklich verliebten – Juristen, der sich sogar die Mühe gemacht hat, seine Ergüsse mit den entsprechenden Paragraphen im (deutschen) Strafgesetzbuch zu belegen:

Du hast mich mit Deiner Schönheit geblendet (§ 223 StGB „Körperverletzung“)

und mich zur Liebe verführt (§ 182 StGB).

Ich war wie berauscht (§ 223a StGB „Vollrausch“ und § 316 „Trunkenheit im Verkehr“)

und ich dachte, ich müsste explodieren (§ 310b StGB „Herbeiführen einer Explosion durch Kernenergie“).

Ich bin Dir völlig ausgeliefert (§ 178 StGB „Sexuelle Nötigung“)

und bin nicht mehr Herr meiner selbst (§ 239 StGB „Freiheitsberaubung“).

Du hast mir meinen Verstand geraubt (§ 249 StGB)

und mein Herz gestohlen (§ 248a StGB „Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen“).

Dabei war mein Verlangen bereits abgestorben (§ 168 StGB „Störung der Totenruhe“),

doch dann bist Du in mein Leben eingebrochen (§ 124 StGB)

und hast meine Ruhe gestört (§ 125 StGB).

Doch nachdem ich völlig entflammt war (§ 308 StGB),

hast Du mich mit dem Milchmann betrogen (§ 263 StGB „Betrug“ und § 266 StGB „Untreue“)

und mir damit alle meine Lebensenergie genommen (§ 248c StGB „Entziehung elektrischer Energie“)

und das trotz all Deiner Versicherungen (§ 265 StGB).

Dabei hattest Du bei mir einen Kredit auf Lebenszeit (§ 265b StGB)!

Du hast mich einfach so beiseite geschoben (§ 326 StGB „Umweltgefährdende Abfallbeseitigung“),

spieltest aber weiterhin mit mir (§ 327 StGB „Unerlaubtes Betreiben von Anlagen“)!

Ist das Dein Lohn (§ 266a StGB „Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsgeld“)

oder hast Du etwa nur mit mir gespielt (§ 284 StGB „Unerlaubte Veranstaltung eines Glückspieles“)?

Ich weiß wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf steht (§ 303 StGB „Sachbeschädigung“ und § 305a „Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel“)!

Du hast mein Leben vergiftet (§ 330a StGB „Schwere Gefährdung durch Freisetzen von Giften“)!

Gib mir mein Herz zurück (§ 290 StGB „Unbefugter Gebrauch von Pfandsachen“ und § 323b „Gefährdung einer Entziehungskur“)!

(Quelle)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: