Von Mäusen und Orangen

17. Dezember 2013

Image

© ecko  / pixelio.de

 

 

 

Eine ganz besondere Maus

 

Heute habe ich meinen Christbaum gekauft. Naja, eigentlich ein Christbäumchen, etwa 60 cm hoch und beinahe ebenso breit. Aber ich glaube, wenn er erst schön geschmückt ist und die Kerzen sich in den Christbaumkugeln spiegeln, wird er es mit (fast) jedem großen Baum aufnehmen können – zumindest in meinen Augen.

Ich habe also meinen Vorrat an Christbaumschmuck durchgesehen und für größtenteils gut befunden. In meiner Phantasie sehe ich den Baum schon behangen mit roten, goldenen und silbernen kleinen Kugeln, mit Engeln, Sternen und Tannenzapfen aus Stroh und kleinen Holzornamenten.

Hoppla, da fehlt noch was! Ein „richtiger“ Christbaum ohne Süßigkeiten – das geht gar nicht. Also werde ich mich wohl mit Schokoladetalern, Windringerln & Co. eindecken und dem Christbaum damit den „letzten Schliff“ geben. Und das Schönste daran ist: Ich kann die Köstlichkeiten fast alle allein aufessen (oje, so viele Kalorien – aber was soll’s, Weihnachten ist nur einmal im Jahr)! In größeren Familien gibt es häufig Streit um die essbaren Christbaumbehänge und immer wieder verschwinden einfach welche und niemand ist’s gewesen. Oder – ja, natürlich: die Weihnachtsmaus war’s! So eine wie im folgenden Gedicht von James Krüss:

 

Image

 

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar
(sogar für die Gelehrten),
Denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen und mit Rattengift
kann man die Maus nicht fangen.
Sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
Ich hab´ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan von Peter;
Was seltsam und erstaunlich war.
Denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus:
ich hab es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andren leck`ren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus:
Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen: welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da
und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden!

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus,
– bei Fränzchen oder Lieschen –
da gäb es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bißchen!

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.

 (Quelle)

 

 

 

Image

 

 

 

 

Charles Dickens: Die Apfelsine des Waisenknaben 

 

Schon als kleiner Junge hatte ich meine Eltern verloren und kam mit neun Jahren in ein Waisenhaus in der Nähe von London. Es war mehr ein Gefängnis. Wir mussten vierzehn Stunden am Tage arbeiten – im Garten, in der Küche, im Stall, auf dem Felde. Kein Tag brachte eine Abwechslung, und im ganzen Jahr gab es für uns nur einen einzigen Ruhetag: Das war der Weihnachtstag. Dann bekam jeder Junge eine Apfelsine zum Christfest. Das war alles. Keine Süßigkeiten, kein Spielzeug. Aber auch diese eine Apfelsine bekam nur derjenige, der sich im Laufe des Jahres nichts hatte zuschulden kommen lassen und immer folgsam war. Diese Apfelsine an Weihnachten verkörperte die Sehnsucht eines ganzen Jahres.

So war wieder einmal das Christfest herangekommen. Für mein Knabenherz bedeutete es aber fast das Ende der Welt. Während die anderen Jungen am Waisenhausvater vorbei schritten und jeder seine Apfelsine in Empfang nahm, musste ich in einer Zimmerecke stehen und zusehen. Das war meine Strafe dafür, dass ich im Sommer eines Tages hatte aus dem Waisenhaus weglaufen wollen. Als die Geschenksverteilung vorüber war, durften die anderen Knaben im Hofe spielen. Ich aber musste in den Schlafraum gehen und dort den ganzen Tag über im Bett liegen bleiben. Ich war tief traurig und beschämt. Ich weinte bitterlich und wollte nicht länger leben.

Nach einer Weile hörte ich Schritte im Zimmer. Eine Hand zog die Bettdecke weg, unter die ich mich verkrochen hatte. Ich blickte auf. Ein kleiner Junge namens William stand vor meinem Bett, hatte eine Apfelsine in der rechten Hand und hielt sie mir entgegen. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Wo sollte eine überzählige Apfelsine hergekommen sein? Ich sah abwechselnd auf William und auf die Frucht und fühlte dumpf in mir, dass es mit dieser Apfelsine eine besondere Bewandtnis haben musste.

Auf einmal bemerkte ich, dass die Apfelsine bereits geschält war – und als ich näher hinblickte, wurde mir alles klar. Tränen traten in meine Augen. Als ich die Hand ausstreckte, um die Frucht entgegen zu nehmen, da wusste ich, dass ich fest zupacken musste, damit sie nicht auseinanderfiel.

Was war geschehen? Zehn Knaben hatten sich im Hof zusammengetan und beschlossen, dass auch ich zu Weihnachten meine Apfelsine haben müsse. So hatte jeder die seine geschält und eine Scheibe abgetrennt. Die zehn abgetrennten Scheiben hatten sie sorgfältig zu einer neuen, schönen und runden Apfelsine zusammengesetzt.

Diese Apfelsine war das schönste Weihnachtsgeschenk in meinem Leben. Sie zeigte mir, wie trostvoll echte Kameradschaft sein kann.

(Quelle)

 

 

 

Ein Buch zum Einschlafen?

 

Einschlafbuch für Hochbegabte. Von Genies für Genies. Von Dieter Bittrich.

 

„Wer originelle Einfälle haben will, muss gut schlafen“, lehrte Pablo Picasso. Er selbst lag oft wach, vor allem während seiner frühen Schaffensphasen. Es dauerte, bis er sein höchstpersönliches hochwirksames Rezept gegen Schlaflosigkeit fand: Zeichnungen alter Meister betrachten. „Das Idyllische beruhigt“. Gewöhnliche Bürger behelfen sich mit Schäfchen zählen, Fernsehen, Lektüre oder Baldrian. Hochbegabte, besonders häufig von Schlaflosigkeit heimgesucht, ersinnen originellere Rezepte:

Im Kreis gehen (Hölderlin), lauwarme Kräuterwickel (Hildegard von Bingen), Bleisoldaten ordnen (Friedrich der Große), Gedichte schmieden (Karl Marx), Perlen aufreihen (Maria Montessori), koreanische Schriftzeichen betrachten (Woody Allen), Mantren summen (DalaiLama). Dietmar Bittrich schildert die wachen Nächte der Genies und ihre genialen Einschlaftricks. Bereits die Lektüre beruhigt und ist wundersam einlullend.

 

Image

 

Ich habe dieses Buch gelesen (laut Autor sind wir nämlich alle hochbegabt oder zumindest hochsensibel) und bin dabei nicht eingeschlafen, sondern habe mich gut unterhalten mit den Tricks der zahlreichen Genies, in Morpheus‘ Arme zu fallen.

 

 

Image

 

 

Bitte! Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum!

 

Image

 

 

 
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: